
Die Freude im Dreck
Ich stehe am Rande eines frisch gepflügten Ackers. Es ist nichts zu sehen, außer einem Schild mit der Aufschrift “Freude”. Ich bin ganz überrascht. Über diesen Acker soll ich nun gehen? Weit und breit sehe ich nur Dreck, aber irgendwo hier drin muss die Freude stecken …
Traumtagebuch 2015
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Im Moment bin ich beim Lesen in diesem Jahr hängen geblieben. Ich bin fasziniert, auf welche Perlen der Weisheit ich hier stoße. Heute, fast 12 Jahre später, kann ich wieder einmal erkennen, dass meine Seele die Wahrheit schon immer gekannt hat.
Ich denke zurück an das Jahr 2015 und es kommen Bilder hoch … Meine Wohnung, meine 15-jährige Tochter, Osiander, meine Mitbewohnerin, mein Nachbar, mein Hund, meine finanzielle Situation, die Schuldnerberatung und das Jobcenter. Damals stand ich mit dem Rücken an der Wand.
Meine Tochter war zu mir zurückgekommen, nachdem sie 4 Jahre lang bei ihrem Vater gelebt hatte. Mein Verdienst als Buchhändlerin hat nicht ausgereicht, um die Lebenshaltungskosten für uns beide zu decken, weshalb ich mein Zimmer in unserer Wohnung untervermietet habe und Unterstützung vom Jobcenter brauchte. Zudem hatte ich Schulden bei der Bank, die ich unmöglich zurückzahlen konnte.
Aus dem anfänglich guten Verhältnis zu meiner Untermieterin wurde bald schon ein kalter Krieg. Mein Nachbar hat mir das Leben schwer gemacht, weil er sich an meinem Klavierspiel und meinem Hund gestört hat. Die Monate, in denen ich Hartz IV bezogen habe, waren mit die schlimmsten in meinem Leben. Nur wer es selbst erlebt hat weiß, wie einem durch das Jobcenter die letzte Würde genommen wird.
Ein Ereignis aus jener Zeit schmerzt mich bis heute. Meine Schulfreundin hat in diesem Jahr nochmal geheiratet. Wir Freundinnen von damals waren zur Hochzeit eingeladen, doch es war mir nicht möglich, hinzugehen. Ich hatte nichts Passendes zum Anziehen, kein Geld, etwas zu kaufen, kein Geld für ein Geschenk, kein Auto und kein Geld für den Zug. Wie erklärt man das der besten Freundin von früher, damit sie es verstehen kann?
Ich wusste nicht mehr, wie das alles weitergehen und enden sollte und habe einfach keine Lösung gesehen. Der Druck, der auf mir lastete, war immens. Es gab Tage, an denen ich so verzweifelt war, dass ich wünschte, ich wäre nie geboren worden. Und genau dann habe ich einen Traum wie diesen.
Auch wenn ich keine Ahnung hatte, wo in dem ganzen Dreck die Freude stecken sollte, hat er mir doch die Hoffnung zurückgegeben.
Rückblickend kann ich sehen, dass es immer wieder Veränderungen gibt im Leben. Nichts bleibt dauerhaft, wie es ist. Der umgepflügte Acker ist dafür ein wunderbares Bild.
Es ist nicht das Ende, sondern der Beginn von etwas Neuem. Noch ist nur Dreck zu sehen, doch Ackerboden ist fruchtbar. Die Freude ist noch da, nur im Moment im Verborgenen. Genau wie die Sonne. Sie ist immer da, nur können wir sie nicht immer sehen.


