
Farben des Lebens
Aktualisiert: 7. Aug.
Ich bin in einer Herberge abgestiegen. Fast alle Gäste der Unterkunft haben sich im Aufenthaltsraum versammelt und es herrscht eine fröhliche und ausgelassene Stimmung. Überall wird sich lebhaft unterhalten, gelacht und an Gesellschaftsspielen erfreut. Obwohl ich Teil ihrer Gemeischaft und in der selben Situation bin wie sie, fühlte ich mich nicht zugehörig.
Traurigkeit steigt in mir auf. Ich wünschte, ich könnte mich auch so spontan und unbekümmert geben. Während ich noch meinen Gedanken nachhänge, bemerke ich überhaupt nicht, wie meine Tischnachbarn aufstehen und sich anderen Gesprächspartnern zuwenden. Auf einmal sitze ich alleine da. Ich fühle mich einsam, übrig und zurückgelassen.
Ich denke an meine Kinder und die Menschen in meinem Leben. Mir erscheint alles so sinnlos, wenn ich nicht mehr gebraucht werde. Ich spüre eine Sehnsucht in mir aufkommen. Es ist der Wunsch nach Gemeinschaft, Freude und Leichtigkeit. Wie gerne würde ich jetzt auch mit den anderen würfeln und dabei entspannt plaudern und unbeschwert lachen.
Ich beschließe, nicht länger hier zu bleiben und stattdessen auf mein Zimmer zu gehen. Ich halte das Gefühl der Einsamkeit unter all den Menschen einfach nicht mehr aus. Dann bin ich lieber gleich ganz alleine.
Ich will gerade die Treppe hinaufsteigen, als von oben eine Gruppe Inder herunterkommt. Ich halte inne. Bunte Farbenpracht und pralle Lebensfreude schlagen mir entgegen. Sie sind aufgedreht und fröhlich, reden und lachen durcheinander, gehen Arm in Arm und verstehen sich aufs Beste.
Ich bekomme mit, dass sie eine lange und beschwerliche Reise hinter sich haben. Eine Reise mit vielen unerwarteten Hindernissen, die sie manchmal schon das Gefühl haben ließen, nie mehr anzukommen. Entgegen ihren schlimmsten Befürchtungen haben sie ihr Ziel schließlich doch erreicht und nun machen sich unendliche Erleichterung, Freude und Dankbarkeit in ihnen breit.
Voller Übermut werfen sie irgendetwas Glitzerndes in die Luft, um auch Außenstehende an ihrem Glück teilhaben zu lassen. Da fällt etwas davon direkt vor mir auf die Treppenstufe. Ich bücke mich, um es genauer zu betrachten und erkenne, dass es sich um einen geschliffenen Bergkristall handelt. Es fühlt sich an, als wäre das nicht zufällig so geschehen, sondern als wäre er für mich bestimmt.
Ich hebe den Stein auf und in dem Moment, in dem ich ihn in der Hand halte spüre ich, dass eine Veräderung in mir vorgeht. Etwas in mir öffnet sich. Ich fühle Zuversicht und Hoffnung wie schon lange nicht mehr und auf einmal habe ich die sichere Gewissheit, dass alles gut werden wird und richtig ist so wie es jetzt ist.
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Ein Traum in der Depression
Dieser Traum aus dem Jahre 2012 kam zu mir, als ich mich selbst in einer Depression befand. Ich hatte schon mehrere solcher Phasen in meinem Leben und weiß wie es sich anfühlt, wenn da keine Hoffnung mehr ist, kein Antrieb, noch etwas zu tun.
Müdigkeit, Ausgebranntsein, das Gefühl, nur noch zu funktionieren. Alles erscheint so sinnlos. Ständiges Grübeln, Sorge um die Zukunft, das Gefühl von Endstation und dass es nie wieder anders werden wird. Bis hin zu dem Wunsch, nicht mehr leben zu wollen, weil es dann endlich vorbei ist.
Die wichtigste Botschaft dieses Traumes war für mich, dass, egal wie düster und hoffnungslos es im Moment auch in mir aussehen mag, es vorbeigehen wird und Hoffnung, Freude, Leichtigkeit und Zuversicht zurückkommen werden.
Rückblickend kann ich erkennen, dass dieser Traum bereits etwas vorwegnahm, das sich ein paar Jahre später wirklich ereignen sollte. 2018 kam Indien in mein Leben in Gestalt des Atma Gnani Puyjashree Deepakbhai und mit ihm das Ende meiner jahrzehntelangen Suche.
Lebensreise
Ich steige in einer Herberge ab, was bedeutet, dass ich mich auf einer Reise befinde - meiner Lebensreise. Ich bin an einem Tiefpunkt in meinem Leben angekommen und genau jetzt treffe ich auf die Inder. Die Reise, die die Inder hinter sich haben, spiegelt das Gefühl meiner Lebensreise wider. Die Hindernisse scheinen so groß zu sein, dass ich die Hoffnung verloren habe, jemals noch irgendwo anzukommen.
Indien symbolisiert für mich das pralle Leben, Farbenpracht, Lebendigkeit und die gelebte Spiritualität ist eine Selbstverständlichkeit. Dieser Traum hat mir damals die Hoffnung, die Zuversicht und den Glauben ans Leben wiedergegeben. Als Symbol bekomme ich einen Bergkristall quasi vor die Füße geworfen.
Die Botschaft des Bergkristalls
Der Bergkristall ist ein uralter Heilstein, der Vertrauen vermittelt. Er ist ein Symbol für Vollkommenheit, Liebe und Klarheit. Er fördert Selbsterkenntnis und Vertrauen. Er schafft Klarheit und trägt zur Erweiterung des Bewusstseins bei. Es ist als wollte mir dieser Stein sagen: "Du trägst die Klarheit in dir. Mache sie dir bewusst."
Das Leben ist im ständigen Fluss, und welcher Fluss fließt immer nur geradeaus? Dann wäre er ein Kanal und der ist nicht natürlich. Wir erleben Hochs und Tiefs, helle Zeiten und dunkle Zeiten und nach jeder Nacht kommt ein neuer Tag, geht die Sonne wieder auf. Die Natur macht es uns vor, von ihr können wir so viel lernen.
Hoffnung in dunklen Zeiten
Damals war ich oft an dem Punkt, dass ich dachte, die Nacht geht nie mehr vorbei. Ich erinnere mich noch als wäre es gestern gewesen. Ich war im Auto unterwegs und dachte, ich könnte jetzt einfach gegen den nächsten Baum fahren. Ein LKW kam mir entgegen und ich dachte, ich brauche nur in den reinfahren, dann ist alles vorbei.
In diesem Moment hörte ich eine innere Stimme: "Das kannst du so machen, aber im nächsten Leben kommt alles wieder und es wird sogar noch was draufgepackt."
Dieser Satz und mein Traum haben mich umdenken lassen. Mir war klar, dass ich da durch musste, den Weg bis zu Ende gehen. Ich hatte aber das Vertrauen und die Gewissheit zurück, dass auch für mich die Nacht vorbei- und die Sonne wieder aufgehen würde.


