
Zug nach Moksha
- Sabine Fischer
- 11. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 12. Dez. 2025
„Moksha bedeutet ewige Glückseligkeit, endgültige Befreiung von allem Elend!“
Param Pujya Dada Bhagwan
Ich bin schwarz gefahren mit der U-Bahn und inmitten einem Strom von Menschen auf dem Weg zu meinem Anschlusszug, als ein Kontrolleur direkt auf uns zukommt.
Ohne lange zu überlegen trete ich die Flucht nach vorne an und renne einfach an dem Ordnungshüter vorbei. Er weiß sofort Bescheid und eine wilde Verfolgungsjagd beginnt.
Ab jetzt muss ich alles geben und nur noch nach vorne sehen, zurückzublicken würde mich wertvolle Zeit und Energie kosten. Ich renne um mein Leben, springe, fliege Treppe um Treppe nach unten, immer tiefer und tiefer.
Hin und wieder kann ich noch die Schritte und den Atem meines Verfolgers hören, doch dann wird es stiller. Im Labyrinth der Unterwelt hat er meine Spur verloren.
Langsam verringere ich mein Tempo und halte an. Ich bin ganz unten angekommen. Es herrscht eine himmlische Ruhe hier. Alles ist sauber und hell - taghell. Wie ist das möglich?
Beinahe lautlos fährt ein Zug ein. Als er zum Stillstand kommt, gleiten sanft die Türen zur Seite, wie eine Einladung einzusteigen. Instinktiv weiß ich, dass ich für diese Fahrt kein Ticket brauche.
Außer mir ist niemand auf dem Bahnsteig oder im Zug. Es scheint so, als würden es nur wenige bis hierher schaffen. Ich weiß noch nicht, was mich erwarten wird, aber ich steige ein. Hinter mir schließen sich die Türen und ich fühle mich in Sicherheit.
Erleichtert lasse ich mich in einen bequemen Sessel sinken. Ich spüre ein leichtes Ruckeln, als der Zug sich wieder in Bewegung setzt, und dann erkenne ich das Ziel. Wir fahren dem Licht und der Freiheit entgegen.
♦ ♦ ♦
Ich tauche nochmal ein in den Traum und Bilder aus dem Film "Die Zeitmaschine" kommen in mir hoch. Ich sehe die Eloi, wie sie willenlos dem Ruf der Sirenen der Morlocks folgen, als hätte man einen Schalter in ihrem Kopf umgelegt. Die Menschen in der U-Bahn Station strömen dahin wie die Eloi, mit leerem Bick und ohne Bewusstheit.
Auch dieser Traum stammt aus der Coronazeit. Es war mir damals unbegreiflich, dass die Menschen nur aus Angst die sinnlosesten Regeln brav befolgt haben.
Gleichzeitig hat es mich aber auch vor die Frage gestellt, wo ich mich an Regeln halte, die ich gerne durchbrechen würde und es nicht tue aus Angst vor schmerzhaften Konsequenzen.
Schwarzfahren ist eine Regelwidrigkeit und ich erkenne darin meinen Wunsch, mich Regeln zu widersetzen.
In meinem Traum habe ich es getan und spüre dabei eine ganz neue Lebendigkeit in mir erwachen. Sie ist es, die mich die Treppen nach unten fliegen lässt, tief hinab in mein Inneres.
Hier gelange ich an einen Ort, an dem ich nicht mehr greifbar bin für weltliche Repressalien. Es ist ein Ort des Friedens und der Stille, hier gelten andere Gesetze als in der Welt da oben, hier bin ich absolut sicher.
Wenn ich an diesen heiligen Ort in mir gelangen möchte, muss ich tief nach innen gehen und meine Angst überwinden, alle Konditionierungen meines Menschseins hinter mir lassen und meine Grenzen durchbrechen.
Der Menschenstrom ist ein Bild für diese Konditionierungen, dem Teil von mir, der sich auf Autopilot befindet.
Der Kontrolleur ist meine innere Instanz, die dafür sorgt, dass ich mich brav in den vorgegebenen Bahnen meines irdischen Daseins bewege. Die mir klarmacht, welche negativen Konsequenzen es haben wird, wenn ich mich nicht an die Regeln halte. Doch mein Wunsch nach Freiheit ist stärker.
Es fühlt sich an wie das Durchbrechen einer Schranke, wenn ich bei seinem Anblick die Flucht nach vorne antrete. Ich überwinde meine eigenen Grenzen und ab diesem Moment führt der Weg nur noch nach unten.
Tief hinein in mein Inneres, durch viele Schichten meines Unterbewusstseins, symbolisiert durch die Treppen. Interessant dabei ist, dass ich nach vorne flüchte und nicht zurückblicke.
Der unstillbare Wunsch nach Freiheit, das Ausbrechen aus gewohnten Bahnen, die Überwindung meiner Angst, das Sprengen meiner inneren Schranken und die Ausrichtung nach vorne haben mich an diesen heiligen Ort in mir geführt.
Und da weiß ich, dass ich in der Welt dort oben niemals die Freiheit finden werde, nach der ich schon immer gesucht habe. Um diesen Schatz zu heben, muss ich tief nach innen gehen.
Ich bekomme eine Ahnung davon, was endgültige Befreiung und immerwährende Glückseligkeit tatsächlich bedeuten.


